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Kitchen Climbing

„Es tut weh!“ Sie schmollte. „Dabei war ich auch vorsichtig, so wie du es gesagt hast.“
Er sah sie an.
Sie sah ihm an, dass er ihr kein Wort glaubte.
„Gut, dann war ich es eben nicht! Sag ehrlich, wo bleibt denn der Kick, wenn man immer nur vorsichtig ist!“
Er schwieg. Die Griffe, mit denen er ihre Schulter einrenkte, waren geübt. Es war nicht der erste Abend, den sie so im Schein der Küchenlampe auf dem Fliesenboden verbrachten. Man könnte meinen, es sei zum Hobby geworden.
Sie stöhnte leise, als das Gelenk zurücksprang. Am Anfang war er zartfühlender gewesen. Inzwischen hatte er sich eine gewisse Routine erworben – und sie spürte ganz genau, wann er resigniert, ärgerlich oder besorgt war. Heute war er ärgerlich.
„Ich hätte es fast geschafft, Liebling! Ich bin an der Esse abgerutscht. Das ist schon besser als letzte Woche. Oder weißt du noch? Ganz zu Anfang? Da bin ich doch noch nicht mal auf´s Highboard gekommen.“ Sie musste kichern.
Er schwieg noch immer, beharrlich wie die Eiger-Nordwand. Starr, unbeugsam. Ein frostiger Hauch wehte von seinen Augen den schmalen Grat der Nase entlang.
Sie versuchte ihn mit einem herzallerliebsten Lächeln zu schmelzen.
Nutzlos.
Langsam dämmerte ihr, dass sie von ihm weder Unterstützung noch Verständnis erfahren würde. Und wie immer, wenn sie dieses Gefühl überkam, begann sie um sich zu beißen.
„Warum hast du mir dann überhaupt diese Küche geschenkt? Roter Schleiflack, auf Hochglanz poliert. Glatt wie ein Gletscher. Das ist die höchste Schwierigkeitsstufe, die es überhaupt gibt! Aber es interessiert dich keinen Deut, was? Anstatt stolz auf mich zu sein, ignorierst du meine Leistungen, ich bin dir ja egal, und weißt du, was ich glaube?“
Sie sah ihn herausfordernd an.
Er starrte stur zurück.
„Du willst gar nicht, dass ich meinen Spaß habe – du willst ja nur, dass ich dich bekoche!“
Der Schrei verklang zwischen den gefliesten Wänden, prallte ab an geschundenen Oberschränken, verkratzten Fronten und der Esse, der nach der heutigen Klettertour deutlich die Materialermüdung erkennen anzusehen war.
Dann wurde es still. Sehr still.
Bis er sein Schweigen brach:
„Ich habe keinen Spaß“, sagte er. „Ich habe Hunger.“
23.11.07 09:35
 


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