UnbekannteLebensFormen
  Startseite
    Musik!Musik!
    Die Vollendeten
    Die Unvollendeten
    Grumpy Days
    Happy Days
    ULF: Power-Plüsch
    ULF: Plumpser
    ULF: Schweigen
    ULF: Schwirrling und Mürrer
    ULF: Der Augenfisch
    ULF: Der Guckie
  Über...
  Archiv
  Musik!Musik! Drama
  Musik!Musik! Great Big Sea
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   Der Lesefisch
   Seelenfisch
   
   Light
   Mensch Liam...
   Moggadodde
   
   Marinasa
   Irmgard

http://myblog.de/blinkin-eyefish

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Frühlingsmorgen

„Wusstest du nie, was du wolltest?“
Vor dem Fenster lacht ein Frühlingsmorgen sein sonniges Gemüt in die finsteren Mienen derer, die sich auf einen langen Tag gefasst, in die U-Bahnschächte drängeln. Ob er wahrgenommen wird? Flüchtig nur, dann verschluckt der Untergrund jeden Sonnenstrahl.

Im Zimmer wendet sich der Angesprochene ab. Die Klinge in seiner Hand bricht das Morgenlicht. Die Reflektionen tanzen über die angegraute Raufaser an den Wänden.

Britt wirft die Zeitung auf den Tisch. Der Luxus eines späten Arbeitsbeginns ist ihr vergällt, nachdem ihr Peer eröffnete, dass er seinen Job hingeworfen hat. Es sei nicht der richtige gewesen.

Es ist nie der Richtige. Der wird noch kommen. Wann? Das weiß keiner.
Das Toastbrot ist kalt und pappig, der Kaffee bitter, egal, wie viel Zucker sie noch dazugeben mag. Seine Verweigerung bedeutet Stress für sie. Denn Peer wird auf seine Träume und Extrawünsche nicht verzichten wollen. Also wird sie ihren Chef bitten, dass er ihr mehr Stunden gibt. Sie muss Kohle ranschaffen. Einen Kredit will sie sich nicht leisten.

„Ich könnte“, setzt Peer an. Doch die Worte bleiben ihm im Hals stecken. Noch ist er nicht überzeugt von dem Angebot, dass ihm gestern in der U-Bahn über den Weg gelaufen ist. Noch ist er sich nicht sicher, ob das Leben mit nur einer Niere so unproblematisch ist, wie er es bei dem späteren Telefonat erfahren hat. Eine Niere – das bringt relativ viel Kohle. Relativ heißt: nicht genug. In dieser Welt ist alles relativ. Relativ scheiße.

„Ich weiß, dass ich schreiben will“, murrt er stattdessen. „Ich träume von dem Roman der ungeahnten Möglichkeiten. Ich träume endlich der zu sein, der ich in diesem Leben nie sein werde.“

„Und davon soll ich die Miete zahlen?“
Britt wird ihn nie verstehen. Britt, die Praktische. Britt, die Planende. Britt, die Realistin. Warum ist Peer eigentlich noch mit ihr zusammen? Am Anfang war es Liebe. Die Gegensätze zogen sich an, er fand Geborgenheit in ihren Armen, Ruhe vor den eigenen Gedanken. Inzwischen ist es der gefüllte Kühlschrank und das warme Bett, das ihn aushalten lässt.

Britt sieht dem Klingentanz eine Weile zu. Dann steht sie auf, tritt hinter ihn. „Leg es weg“, bittet sie leise. „Das bringt doch nichts.“

Für einen Moment verharrt die Stille im Raum auf Messers Schneide. Dann legt Peer sein Spielzeug weg. Mit einem hohlen Laut schmiegt sich Metall an Holz. „Zufrieden?“

Britt atmet seinen Duft, schlingt die Arme um ihn und küsst seinen Rücken. Liebt sie ihn? Sie weiß es nicht so recht. Aber sie weiß, dass ein Teil von ihr ihn niemals gehen lassen wird. Egal wie sie schuften muss, egal, was sie opfern muss. Wenn nicht für den, den man liebt, für wen denn dann?

Peer entzieht sich ihrem Griff, lässt sie allein am Fenster stehen. „Ich muss weg.“
30.11.06 00:20
 


Werbung


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


barbara / Website (16.12.06 11:22)
gibt es noch eine Fortsetzung?
viele Grüsse


Light / Website (17.12.06 16:19)
Hmmmmm. Ich frage mich, warum die weibliche Hauptfigur wohl Britt heißt. Irgendwie kommt diese Szene mir bekannt vor. *kicherzwinker* Obwohl sie ja eigentlich eine Seite von Dir selbst ist. *lach* Naja, vielleicht nicht obwohl. Sondern weil. *megaknuddel*


Gabi (18.12.06 13:16)
Tja, da sind wir uns wohl wieder ähnlicher als wir dachten. Meine Wahrnehmung ist nicht mehr so verträumt und idealisiert wie damals, als wir uns kennengelernt haben. Und ich glaube , ich kann dich jetzt besser verstehen als früher. Auf der anderen Seite hat sich ein gewisser Herr B. auch in diesem Text wiedererkannt - und ich hatte alle Hände voll zu tun, um ihm klar zu machen, dass Peer in dieser Form wirklich nur eine fiktive Figur ist *schmunzel*

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung