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Das Nichts

An Sonntagen, wie diesem, streife ich durch leere Gebäude. Verwaiste Büros, die von der Lebendigkeit der vergangenen Woche künden und sich träumend auf die Wiederkehr der fleißigen Ameisen vorbereiten. Doch heute ist Sonntag. Keiner ist hier.
Ich wünsche mich nach Hause und weiß doch, es geht nicht. Denn einer muss das Nichts verwalten und das bin wieder einmal ich.
Das Nichts und ich – wir beide kennen uns inzwischen ganz gut. Meistens verbringen wir die langen Stunden in trauter Zweisamkeit, doch manchmal kriecht es in mein Hirn, annektiert, besetzt, kontrolliert es. Dann flüstert es von Sinn- und Hoffnungslosigkeiten, spinnt mich ein in klebrige Fäden des Selbstmitleids und der Zweifel.
Dann denke ich an ihn, der zuhause ist. Dann denke ich an all die Sachen, die wir nicht zusammen erleben, an all die Zeit, die uns nicht vergönnt ist und fühle, wie das Wir abhanden kommt. In solchen Momenten ist das Nichts sehr überzeugend in seinem Eifer, die Bindungen zwischen meiner Welt und mir kappen zu wollen, mich aufzusaugen, so dass ich selbst zum Schatten werde.
„Warum?“, so ertappe ich meine Gedanken, „Warum sind wir zusammen? Wie es aussieht, leben wir auch so hervorragend, jeder sein eigenes Leben. Ohne den anderen. Wir brauchen uns nicht, warum also weiter zusammenbleiben?“ Und ich spüre Tränen hinter den Lidern sitzen, locker sitzen sie, sehr locker. Doch noch schnürt sich das Herz nicht genug, als dass sie sich ihren Weg bahnen. Ich versuche, diese Fragen mundtot zu bekommen. „Weil ich ihn liebe!“, denke ich also. „Weil er mich liebt – weil wir zusammengehören!“
Aber an Tagen, wenn das Nichts so stark ist, dass es mein Leben in Frage stellt, lässt es sich nicht mit drei Sätzen abspeisen, gar überzeugen. Blitzschnell fängt es die Gefühle ein und steckt sie in einen Sack. „Wo ist sie jetzt hin?“ singt es in meinem Blut. „Wo ist die Liebe?“ Und wahrlich, ich finde sie nicht. Kann sie nicht mehr spüren. Meine Emotionen, die sonst in ihrer Intensität Steine erweichen, sind nicht mehr als eine graue Nebelbank. Die Seele ist abgestumpft, taub und dumpf in ihrem Empfinden. Da ist nichts mehr, das den Himmel bläut, Graues Zwielicht wabert vor dem dritten Auge.
Dann hat das Nichts seinen großen Auftritt. Im nüchternen Tonfall der Logik tritt es den Beweis für die Überflüssigkeit der großen Liebe an. Es stellt eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf, die perfider nicht sein könnte.
Wirtschaftlichkeit? Ich bin nicht auf einen Ernährer angewiesen.
Er wird dir nie etwas von dieser Last abnehmen können, rechnet das Nichts vor. Egal was kommt, du musst arbeiten, immer, immer zu. Du wirst dir nie eine Auszeit nehmen können, immer weiter im Hamsterrad laufen, bist du irgendwann zusammenbrichst.
So habe ich es gewollt, wende ich ein. Außerdem verhältst du dich gerade wie mein Exmann, den ich gerade wegen dieser Unerhörtheit verlassen habe. Ich habe nicht wegen des Geldes geheiratet.
Weswegen dann, fragt das Nichts und lässt eine Braue überheblich gen Scheitelansatz wandern.
Ich kann nicht antworten. Ich weiß es nicht. Rufe heimlich, still und leise nach seiner Gegenwart. Frage ihn im Geist, warum er mich liebt.
Er sagt, es sei vorherbestimmt. Es sei im Himmel so beschlossen worden. Ich will rebellieren. Obschon ich an Gott glaube, denke ich doch, dass ich einen freien Willen habe.
Das Nichts macht weiter – zählt alle nervigen Kleinigkeiten auf, die den Alltag vergällen können, wenn man sie zu mehr werden lässt, als sie sind, Macken eben, die jeder hat.
Ein Hin und Her – letztlich läuft es immer wieder auf das Unbeschreibliche hinaus, auf das Fühlen, auf das Phänomen Liebe. Und genau in diesem Punkt gewinnt das Nichts. Denn es hat meine Emotionen ja fortgestohlen und den Sack versteckt. Also habe ich nichts in der Hand, das ich vorweisen kann. Nichts. Nichts. Gar Nichts.

Dann nimmt Nichts mich an der Hand, verbirgt mit einem letzten Anflug von Anstand das triumphierende Grinsen und zieht mich hinab in die moorige Verzweiflung.

Those are the days, my friends. I fear they never end…
21.5.06 13:28
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


marinasa (21.5.06 16:37)
Dieses Nichts kennen wir alle, das ist auch nicht so schlimm, wichtig ist nur das es nicht oberhand gewinnt und dich runter zieht.
Rechtzeitig die Notbremse ziehen ist da die Devise.
Aber Deine Grundnatur ist wohl eher positiv, lass es fliessen aber nicht gewinnen :-)


Light / Website (21.5.06 21:09)
Lass Dir folgendes mal auf der Zunge zergehen: Dort wo keine Abhängigkeit ist, dort ist der freie Wille.
Ist es nicht um so schöner, um so wertvoller, wenn Du Dich jeden Tag für Deinen Partner entscheidest - obgleich du ihn nicht überlebensnotwendig brauchst? Und Dein Partner entscheidet sich für Dich. Das ist für mich wahre Liebe.
Ist die Quantät des Zusammenseins wirklich so entscheidend? Bestimmt sie das "Wir"?
Du kennst meine Antwort.
Ich weiß, Du bist nicht so gern mit Dir allein, im Gegensatz zu mir, die das selbst innerhalb einer Beziehung braucht. Es ist wohl auch die Arbeitszeit, in der Du dieses Alleinsein nicht so sinnvoll füllen kannst. Aber lass das Grau um dich herum nicht so tief eindringen.
Weißt Du noch, als Du hier warst im letzten Herbst, ohne ihn? Genau so zweifelnd, so ausgelaugt. Und dann begannst Du von ihm zu sprechen und je länger Du über ihn sprachst, um so öfter kehrte das Lächeln auf deine Züge zurück.
Was das Hamsterrad angeht ... gar so sinnfrei ist das Arbeiten doch nicht. Jeder Vogel muss mühsam nach seinem Futter picken. So eben auch wir. Arbeit ist ein Stück weit der natürliche Lauf der Dinge.

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