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Kreislauf

Dunkle Wolken ziehen sich am Horizont meines Gemütes zusammen. Warum nur? Ist nicht alles gut? Nein, grollt es aus der näher ziehenden Gewitterfront, du wirst tumb und unbeweglich. Es gelingt nichts mehr – keine der Zeichnungen ist wirklich gut, an denen ich mich versucht habe. Kein Text mag sich meinen Gedanken beugen.
Verdammt, brumme ich, als die ersten Tropfen auf mein Haupt fallen. Da hatte ich schon Urlaub, hatte Gelegenheit, meine Batterien aufzuladen – aber außer einer profunden Gemütlichkeit hat nichts in mein Hirn Einzug gehalten. Ein Blitz entlädt sich vor meinen Füssen im Erdboden – Ich will nicht verblöden! schreie ich zornig und tänzle auf glühenden Socken zurück. Doch wohin sich wenden? Der Sturm ist nahe gekommen. Ich spüre, wie seine tausend Hände nach mir greifen, an meinen Ärmeln rupfen. Aber ich weiß, wenn ich ihm jetzt nachgebe, dann ist es erst einmal aus mit der Gut-Wetter-Laune. Dann bin ich gefangen in Selbstzweifeln, Ausweglosigkeiten, werde zum Spielball selbstgemachter Ungerechtigkeiten.

Also setze ich mich an den Rechner und schreibe mich auf und davon. Irgendwo hinter den Wolken strahlt die Sonne auf uns herab. Irgendwo hinter dem nächsten Hügel ergießen sich Zuversicht und das Bewusstsein um die eigene Stärke über die Felder der Inspiration. Das Land in dem die Tinte fließt – in schwarzen Strömen wogt sie zwischen Wiesen aus feinstem Büttenpapier. Auf ihnen wachsen bunte Blumen, in deren Kelchen sich schillernde Tropfen von Gouche und Aquarellfarbe sammeln. Die Zäune sind aus Kohlestiften gemacht, von den Rinden der Graphitbäume tropft Gummi Arabicum, der Fuß federt weich auf Wegen aus gepulverten Pigmenten. Und immer wieder gibt es kleine Tümpel reinsten Leinöls, an deren Ufern Kalebassen wachsen, um sich bei Bedarf sofort als Farbschälchen zu verdingen. Als ich eine malerische Hügelkette erklimme und versonnen das Tal unter mir betrachte, wächst eine Leinwand neben meinen Füssen aus dem Boden, reckt ihr unbeschriebenes, reines Gesicht zur Sonne und fächert mir Kühlung mit schmalen Blättern zu, aus deren Stielen unzählige Pinsel jeder Art wachsen. Ganz am Boden, dort wo der Stamm kräftig und verholzt ist, bohren sich Palett-Messer aus dem Pflanzenfleisch.
Und während ich noch zögernd mit einer Zeichnung beginne, weht der Wind eine liebliche Melodie aus dem Tal herauf. Das rhythmische Klappern williger Computertastaturen, die einem die Gedanken aus dem Hirn herausziehen und sie auf dem Monitor zu Geschichten voller Anmut zusammenfügen, gemischt mit dem mächtigen Anschlag nostalgischer Schreibmaschinen und untermalt mit dem leisen Kratzen von Federkiel auf Pergament, schwillt hypnotisch an und ab und lässt mich abtauchen in den FLOW.

Irgendwann werde ich aufwachen und vor mir ein Bild oder einen Text sehen.
Und siehe – es wird vollkommen sein.
Ich werde zunächst nicht begreifen können, dass ich der Schöpfer war. Danach wird mich eine unbändige Freude erfassen und bis ins Mark durchschütteln. Auf Wolken werde ich tanzen und mich bereits im Paradies sehen, als Gottes Hofmaler. Und dann?
Dann atme ich tief ein, der Wind hat sich gedreht. In der Ferne höre ich Donnergrollen – und ich weiß, dass ich so ein Wunder nie wieder vollbringen kann. Nie wieder. Ich bin ausgebrannt, ein Strohfeuer in der Nacht. Halte nichts, was ich verspreche. Werde niemals wirklich gut sein in dem was ich tue – der Wind wird stärker, er zerrt mit seinen tausend Fingern an meinem Haar, an meinem Ich.

Dann heißt es wieder, die Beine in die Hand zu nehmen und zu rennen – Häschen hüpf, auf ins Land, wo schwarze Tinte fließt.
5.8.06 20:18
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


marinasa (5.8.06 21:53)
Das hat gefehlt...das ist richtig gut, man kann sich das Blid richtig vorstellen , in all seinen Farben und die Düfte gibt es gleich noch Gratis dazu... Schreib weiter, viel öfter und Deine Bilder...vertrau dir selber Du kannst es immer, auch wenn Du zweifelst.
Gehört der Zweifel nicht zum Künstler?


moggadodde / Website (6.8.06 01:19)
Einfach nur schön ...


Light / Website (6.8.06 20:54)
Hi Süße ... selbst im Zweifels malst Du noch in den schönsten Bildern das Künstler-Schlaraffenland.

Was die Zweifel angeht, so kommst Du mir oft vor wie ein Schwimmer in einem schnellen Strom, der unununbedingt seine gerade Linie schwimmen will. Der Fluss aber windet sich, hat Untiefen und Stromschnellen ...

Versuch doch, einfach mitzuschwimmen. Wenn mal kein Bild und kein Text in Deinen Kopf kommen will, dann leg den Pinsel hin, lass die Tasta unbehämmert und wende Dich anderen Dingen zu. Oder auch mal gar keinen. Es kommt wieder. Darauf kannst Du vertrauen. Lass einfach mal los. Du verblödest nicht, wenn Du mal einige Tage oder Wochen nichts neues schaffst. Die Arbeit hat Dich doch wieder bei den Hammelbeinen, also gönn Dir ne Pause. Du hast jedes Recht dazu.

Mir gehts im Moment auch so, ich lasse mich ein bisschen treiben in dem Strom und mache andere Sachen. Oder auch mal gar nichts. Und irgendwann gehts wieder. Wahrscheinlich bald.

*knuddel* IHDL

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